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Autokauf in Chile
Für ein paar Wochen ist man sicher mit einer Kombination aus Mietwagen und Bus, Mietwagen und Flug oder auch nur mit dem Mietwagen gut bedient. Und wenn man nicht vorhat, sich abseits mehr oder weniger ausgetretener Touristenpfade zu bewegen, braucht man sich nicht die Mühe zu machen, ein Auto zu kaufen. In diesem fall kann man sich auf das gut ausgebaute chilenische Busnetz und die zahlreichen Anbieter von Touren in die schönsten Ecken des Landes verlassen.
Ein Autokauf lohnt sich, wenn man
- das Land gerne auf eigene Faust erkunden will
- nicht von Busfahrplänen abhängig sein möchte
- auch Ziele abseits der Touristenrouten kennen lernen will
- ganz generell flexibel bleiben möchte
- mindestens zwei Monate unterwegs sein wird (sonst lohnt sich der Aufwand meiner Meinung nach nicht)
Mit dem eigenen Auto unterwegs zu sein, verleiht der Reise einen Hauch von Abenteuer, auch wenn man die gleiche Route auch mit dem Mietwagen fahren könnte. Wir sind zu dritt mit einem Borgward Isabella Baujahr 65 vier Monate in Chile herumgereist, anschließend hat das Auto noch einen sechsmonatigen Aufenthalt in 4200 m Höhe im Sajama-Nationalpark in Bolivien und den Stadtverkehr von La Paz überlebt, bevor wir es einem ungewissen Schicksal in Arica überlassen haben.
Auf einer zweiten Chile-Reise waren wir mit einem brasilianischen VW-Bully Baujahr 1981 unterwegs. Beide Autos waren keine ideale Wahl, wie sich unterwegs herausgestellt hat, aber immerhin wüsste ich jetzt, worauf ich beim nächsten Autokauf in Chile achten würde - hier meine Tipps und Überlegungen!
Asphalt und Wellblech: Welches Auto ist das richtige?
Chile-Reise ist nicht gléich Chile-Reise und jeder erwartet etwas anderes von seinem Urlaub. DAS ideale Auto gibt es daher nicht, es hängt alles davon ab, was man damit vorhat. Hier ein paar Faktoren, die bei der Entscheidung berücksichtigt werden sollten:
Chile ist ein langes Land. Das bedeutet viele Kilometer und auch wenn der Sprit billiger ist als in Deutschland, kann man mit einem Diesel sicher einiges Geld sparen. Egal, ob man sich für einen Benziner oder einen Diesel entscheidet, sollte man auf den Spritverbrauch achten.
In den Anden hat man die 3.000 Meter schnell erreicht, die Berge steigen aus der Küstenebene an vielen Stellen des Landes steil an. Und in einigen der schönsten Nationalparks (wie z.B. im Lauca-Nationalpark) führt die Straße auf 5.000 Meter hinauf. Der Sauerstoff nimmt mit zunehmender Höhe ab, so das bei der Zündung das Verhältnis von Benzin und Sauerstoff nicht mehr stimmt. Dadurch nimmt der Benzinverbrauch immer mehr zu und irgendwann bleibt der Wagen u.U. einfach ganz stehen. Probleme treten, je nach Modell, etwa ab 4.000 m Höhe auf, Abhilfe bringt das Verstellen des Zündzeitpunktes, das jede Werkstatt innerhalb Minuten und für kleines Geld erledigt. Robuster in dieser Hinsicht sind Diesel-Fahrzeuge, die zur Zündung weniger Sauerstoff brauchen.
Chile ist ein heißes Land, zumindest in den nördlichen Landesteilen. In der Atacama-Wüste steigen die Temperaturen tagsüber schnell über 40 °C und das wiederrum nimmt ein Dieselmotor übel, der sowieso schon unter sehr hohen Temperaturen arbeitet (auf LKW-Motoren trifft das nicht zu, sie haben eine effektivere Kühlung). Wenn man also vorhat, die Atacama zu erkunden, sollte man sich eher für einen Benziner entscheiden und dann vor entsprechenden Ausflügen in höhere Lagen den Zündzeitpunkt einstellen lassen. Ein Extra-Kanister Kühlwasser ist bei solchen Touren sicher kein überflüssiges Gepäck, ebenso wenig wie ein Ersatzkanister Benzin: wie gesagt ist der Benzinverbrauch hoch und das Tankstellennetz eher lückenhaft.
Eine Ausnahme gibt es von dieser Regel: wir hatten uns auf unserer zweiten längeren Chile-Reise einen VW-Bully aus Brasilien gekauft und waren damit fröhlich von Arica durch die Atacama die 5000 Höhenmeter nach Bolivien hinauf gefahren. Da der Motor dieses Modells (der gute alte Käfer hat übrigens einen ganz ähnlichen Motor) nur eine Luftkühlung hat, wurde er sehr schnell so heiß, das wir immer wieder anhalten und darauf warten mussten, dass er sich abkühlte. Anscheinend war das aber nicht genug, bald waren eine ganze Reihe Dichtungen im Motor geschmolzen, der Bus fuhr nur noch auf zwei Zylindern. Das brachte uns einen ganzen unfreiwilligen Monat in Antofagasta ein, während der Bus in der Werkstatt stand. Die letzten Tage in dieser schönen Stadt verbrachten wir damit, unseren Mechaniker zu verklagen...
Nicht alle Straßen in Chile sind asphaltiert. Chile hat eines der modernsten Straßennetze Südamerikas und an den allermeisten Stellen wird man mit einem ganz normalen PKW gut durchkommen. Probleme kann man mit einem solchen Auto auf Feuerland bekommen, wo außer den Hauptverkehrsadern kaum eine Straße asphaltiert ist. Das gleiche gilt in eingeschränktem Maß für ganz Patagonien. Während die Carretera Austral zwar auf den meisten Abschnitten nur geschottert ist, lässt sie sich doch gut befahren. Anders sieht es mit den Stichstraßen zu Orten wie Chile Chico oder Puerto Cisnes aus. Von ausgefahrenem Wellblech (Ripio) über tiefe Spurrillen bis zu Schlaglöchern von den Ausmaßen kleinerer Baggerseen muss man hier mit allem rechnen und ist mit einem möglichst hohen 4x4 am besten bedient.
Auch in der Atacama-Wüste trifft man abseits der Panamericana immer noch auf abenteuerliche Pisten. Hier sind vor allem auch größere Steine auf der Straße ein Problem, die das Auto schnell einmal hart aufsetzten lassen.
Je nachdem , welche Art von Touren man in Chile unternehmen möchte, sollte man sich eher für das eine oder das andere Modell entscheiden.
Wo finde ich ein Auto?
Ein gebrauchtes Auto zu finden ist besonders in größeren Städten wie Santiago oder Valparaiso nicht schwer, in kleineren Städten ist die Auswahl natürlich beschränkt.
Wenn man schon von zuhause aus anfangen möchte mit dem Suchen bieten sich folgende Seiten an:
www.elmercurio.cl: eine der größten chilenischen Tageszeitungen
www.elrastro.cl: Virtueller Flohmarkt
www.mercadolibre.cl: südamerikanisches Pendant zu Ebay
www.chileautos.cl: virtueller Automarkt
www.coches-usados.net/Chile: virtueller Automarkt (nicht nur für Chile)
www.mundoanuncio.com: spanisch-sprachiges Anzeigenblatt, auch für Chile
Wenn man schon im Land ist, sollte man nach Möglichkeit versuchen, ein Auto in Santiago de Chile zu kaufen, je kleiner der Ort, desto weniger Auswahl wird man haben.
In Santiago hat man mehrere Möglichkeiten, ein Auto zu finden. Es gibt bestimmte Zonen, in denen sich die Autohändler konzentrieren, dort kann man einfach von Händler zu Händler laufen und schauen, was sie im Angebot haben. Neuwagen findet man an der Avda. Libertador B. O´Higgins, mehr Gebrauchtwagenhändler gibt es an Avda. Francisco Bilbao und der Avda. Vitacura. Ein Blick in die gelben Seiten (die Paginas amarillas liegen in vielen Hotels und Hostals aus, auf jeden Fall bekommt man sie auf Nachfrage) hilft auch weiter.
Eine andere gute Möglichkeit ein Auto zu kaufen (und später vielleicht auch wieder zu verkaufen) sind die Automärkte, die z.B. auf großen Parkplätzen an der Avda. Americo Vespuccio an den Wochenenden abgehalten werden.
ALS TOURIST DARF MAN KEIN AUTO IN DEN BEIDEN FREIHANDELSZONEN KAUFEN! Das heisst, kaufen darf man es schon, ausführen aus den Freihandelszonen aber nicht, wenn das Auto nicht mindestens 25 Jahre alt ist. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es keine gute Idee ist, mit einem Oldtimer durch Patagonien zu fahren...
Der Papierkrieg
Die Formalitäten, die mit einem Autokauf in Chile verbunden sind, halten sich im Vergleich zu anderen Ländern in Grenzen.
Zunächst braucht man eine Steuernummer (RUT, Rol Unico Trivutario), man bekommt sie beim Servicio de Impuestos Internos (www.sii.cl). Die für Santiago Zentrum zuständige Zweigstelle findet man in der C. AlonsoOvalle 680, Tel.: 2-3951000, 9 - 14.00 Uhr, die Adressen für das ganze Land lassen gibt es unter diesem Link: http://www.sii.cl/sobre_el_sii/oficinas/ofi.htm .
Da man auf dem Amt nur eine vorläufige Nummer bekommt, während die endgültige Nummer mit der Post zugesandt wird, sollte man eine Adresse parat haben, z.B. die des Hotels, von der man nur Straße und Hausnummer angibt.
Die RUT braucht man, um den Verkauf beim Notar abwickeln zu können. Dort wird ein Verkaufsvertrag (Contrato Compra-Venta) aufgesetzt. Da es in der Regel eine ganze Weile dauert, bis die offiziellen Papiere aufgesetzt und zugeschickt worden sind (an eine Adresse, an der man ja u.U. längst nicht mehr ist), ist dieser Kaufvertrag der Nachweis darüber, dass einem das Auto gehört und man sollte ihn immer bei sich haben.
Nach dem Kauf hat man 30 Tage Zeit, das Auto bei örtlichen Registro Civil eintragen zu lassen. Wo das zuständige Büro ist, kann einem der Notar oder der Autohändler sagen. Hier muss man wieder eine Adresse angeben.
In Chile braucht jedes Fahrzeug eine Mindesthaftpflichtversicherung (Seguro Obligatorio). Der Versicherungszeitraum beginnt jeweils im März und gilt für ein Jahr. Die obligatorische Versicherung ist sehr billig, deckt Schäden aber auch nur bis 3.000 USD ab - es lohnt sich, über eine Zusatzversicherung nachzudenken. Beim Kauf muss man darauf achten, dass der Versicherungsschein bei den Papieren ist.
Ebenso wie die Versicherung muss die Fahrerlaubnis (Permiso de Circulacion) eines jeden Fahrzeugs im März erneuert werden. Dazu braucht man in der Regel den Nachweis einer gültigen technischen Revision und einer Abgasuntersuchung; nähere Auskunft dazu gibt der Automobilclub de Chile oder die Carabiñeros. Die wissen auch, welche Behörde die Fahrerlaubnis ausstellt, dass ist von Stadt zu Stadt verschieden.
Nützliche Links zur Reisevorbereitung
- Das Blog zum Buch
- Aktuelles und News aus Chile, Hinweise zur Reisevorbereitung
- Der Reisebericht zum Buch
- Ein Jahr durch Chile und Bolivien mit einem Borgward Isabella aus dem Jahr 1965. Patagonien und die Atacama-Wüste, Santiago und La Paz und ein halbes Jahr bei den Aymara des bolivianischen Altiplano
- Alles, was man für die Reise braucht
- Vom Rucksack über das Taschenmesser bis zur kompletten Expeditionsausrüstung: hier gibts alles!
- Bücher und mehr
- Reiseführer, Bildbände, Reiseberichte, Kochbücher, Geschichte und Politik - alles über Chile

